Donnerstag, 26. November 2015

UPCOMING


 

   

tina schwarzmonkey on my back




'bitte lächeln' oil on linnen, 180x140cm, 2016



 
 
 Eröffnung:

Freitag, 15. Januar 2016, 19.00 Uhr
Ausstellung bis 4. März 2016


Opening Reception: 
friday, january 15th 2016
Until March 4th, 2016

martinetz



Moltkestraße 81, 1st floor, 50674 Cologne



Mit dem Titel „Monkey On My Back” greift die junge deutsche Malerin Tina Schwarz eine englische Phrase auf, die auf eine Ballade aus dem 19.Jahrhundert zurückzugehen scheint, in der einige Studenten ihrem Professor einen Streich spielen und ihm auf seinem nächtlichen Nachhauseritt einen Affen auf den Rücken fallen lassen. In der Annahme, dass es sich um den Satan persönlich handle, der ihn ergreift, reitet dieser „wie vom Teufel besessen“ in die nächste Stadt, wo sich die Situation in allgemeinem Gelächter und Spott auflöst. Die
Parabel von Thomas Gillot dient Schwarz zu einer malerischen Auseinandersetzung mit der imaginativen Kraft der Angst.
 
Welche Formen nimmt Angst an, wie wird sie geschürt, in welchen Kontexten erscheint sie und welche Spuren und Zeichen hinterlässt sie auf den Körpern und in den Seelen der Menschen? Welche Räume, Grenzen und Feinde werden imaginiert oder produziert um als Katalysatoren für weitreichende Präventivmaßnahmen und damit Einschränkungen der Freiheit zu dienen? 
Wo es um Angst geht, geht es natürlich auch immer um Macht, denn Angst ist ein wirksames Instrumentarium der Herrschaft. Mit der dominanten, kopflosen Figur, die mit ihrem Totenkopfstock in mitten einer hündischen Meute steht, hat Tina Schwarz ein paradigmatisches Sinnbild für den historischen Wiedergänger diktatorischer Macht geschaffen. Die voluminöse Figur mit ihrem hellen Mantel und ihrer souveränen Haltung bedient die klassische Ikonographie der herrschaftlichen Inszenierung, jedoch hat sich die Ordnung des Körpers verschoben, so als könnte das Haupt der Macht, das Gesicht des Bösen nicht dargestellt werden. Oder aber dieser Kopf ist austauschbar geworden; ein
gleichbleibendes Prinzip, ein System selber Ordnung, dass immer wieder nur eines neuen Oberhauptes bedarf.
Angesichts alter Phrasen und Bilder in einem neuen gesellschaftlichen Diskurs geht es um Formeln und Ikonographien, um Kontinuitäten und Brüche, um die Wiedergänger und ihre neuen Masken und Erscheinungsformen. 


Es war Jacques Derrida, der in „Marx‘ Gespenster“ Ansätze zu einer Theorie des Gespenstischen als dem Wiederkehrenden entwickelt. Er versteht Gespenster als Figuren des Dazwischen, nicht mehr lebend, aber auch noch nicht
ganz tot, „weder Substanz, noch Essenz, noch Existenz“. Die Heimsuchung von jenen, die „nicht gegenwärtig lebend“ sind, sieht er als Auftrag für eine „Politik des Gedächtnisses, des Erbes und der Generationen“. 


Folgt man Derridas Auffassung, dass die Toten niemals ganz tot sind, stellt sich die Frage, welche Gespenster uns heute heimsuchen, welche Wiedergänger den gesellschaftlichen Diskurs prägen und welche Erscheinungsformen sie annehmen? Schwarz‘ Bilder mögen uns vielleicht nicht die Antworten liefern, stellen aber
genau jene Fragen.
Roman Grabner, 2015
 

[1]“Cultures of fear and states of terror are affective tools of government that come into being as a
modus of population management deployed by military, political, and administrative actors”.
Vgl. Joseph Masco, Engineering Ruins and Affect. In: Uli Linke / Danielle Taana Smith (Hg.), Cultures
of Fear. A
Critical Reader. New York 2009, S. 3853.
[2]Jacques Derrida, Marx‘ Gespenster. Der Staat der Schuld, die Trauerarbeit und die neue Internationale.
Frankfurt/Main 2004, S.1011.






NEWS

I'M HAPPY TO ANNOUNCE THAT

FROM JANUARY 17th TO MARCH 31st 

I'LL BE ON OF THE RESIDENTS OF

LA BASED HOOPER PROJECTS